Fortsetzung des ausführlichen Startup Interviews mit Dirk Röder, von Opentabs.
Über die Mitbewerber
SH: Mir fällt da jetzt auf Anhieb auch keiner ein, der eine ähnliche App anbietet. Oder gibt es da noch Mitbewerber?
DR: Offiziell gibt es Mitbewerber. Es gab einen Mitbewerber, die sich dann zerstritten haben. Wir kennen die Gründer mittlerweile auch und haben auch ein freundschaftliches Verhältnis. Einer ist jetzt an der LMU und hilft uns mit Studenten und Praktikanten. Wir waren aber im Vertrieb nen Ticken schneller.
Dann gab es noch einen Mitbewerber aus Berlin (Ordify), von dem wir schon lange nichts mehr gehört haben. Die letzte App Aktualisierung bei denen war im März oder Februar. Offiziell gibt es die noch. Dann gibt es einen ganz neuen Mittbewerber – bestellbar. Verwunderlich ist, dass die nur Bestellen anbieten. Denn hier muss der Gastronom schwitzen, wenn jemand gerade vorbei läuft und sagt: “ich bestelle jetzt mal eben nen Cocktail“. Und ihn dann nie abholt und bezahlt.
SH: Du hast ja auch schon gesagt, dass das so einen Lock-in-Effekt hat, wenn man auch bezahlt, dass damit die Hemmschwelle niedriger ist Fake Bestellungen auszulösen?
DR: Wenn jemand aus Spaß einen Kaffee für €2 bestellt und ihn nicht abholt ist das natürlich eine Verschwendung, doch unsere Kunden erhalten den Umsatz.
Opentabs Bezahlverfahren
SH: Ihr bietet jetzt Kreditkarte an oder kann man mit anderen Verfahren auch noch zahlen?
DR: Momentan nur Kreditkarte. Wir könnten andere Zahlungsarten wie Lastschrift und Paypal anbieten. Doch beide Zahlungsarten bieten eklatante Nachteile. Gerade das Thema Lastschriftverfahren.
SH: wegen der Umstellung zu SEPA oder warum?
DR: Nein. Es ist zu unsicher für den Gastronom. Weil man keine garantierte Zahlung abwickeln kann. Wenn die Zahlung irgendwie gesperrt wird, fallen hohe Stornogebühren an. Paypal ist (noch) von der Gebührenstruktur im sogenannten „micropayment“ vollkommen unattraktiv für den Gastronom. Bei ungünstigen Konstellationen sind es 8 bis 10%. Da dankt jeder Gastronom ab.
Wir nutzen für die Kreditkartenzahlung einen Dienstleister – wir fassen das Geld gar nicht an. Es ist uns sehr, sehr wichtig, dass der Nutzer weiß, dass nicht wir die Geldtransaktion durchführen, sondern jemand, der den ganzen Tag nichts anderes macht. Also ein renommiertes Unternehmen, das den ganzen Tag von A nach B transferiert. Daher auch von den Profis der Rat auf das Lastschriftverfahren zu verzichten.
Um das Lastschriftverfahren technisch kurz zu erklären: Wir können die PIN einer EC Karte logischerweise nicht auslesen; d.h. die Zahlung ist nicht garantiert. Es erfolgt lediglich eine Prüfung auf einige Angaben und gegen schwarze Listen. Wenn der Nutzer da nicht draufsteht und die Kontonummer stimmt, dann wird die Zahlung freigegeben. Der echte Zugriff auf das Konto erfolgt erst am darauf folgenden Tag. Wenn ich mir mittags meinen Kaffee bei San Francisco bestelle und dann mit Freunden auf die Wiesn gehe und alle einlade, ist mein Konto eventuell überzogen. Am nächsten Morgen wird dann die Abfrage von Masterpayment abgelehnt und der Gastronom läuft 2.- € für den Kaffee hinterher und zahlt eine Rücklastschriftgebühr.
SH: Also jeder, der sich bei euch anschließen möchte muss direkt einen Vertrag mit dem Paymentanbieter haben und wird dann von dem ausgezahlt?
DR: Ja.
SH: Das heißt er bekommt nicht direkt von einem Kunden das Geld, sondern immer von dem Paymentanbieter.
DR: So sind die deutschen Gesetze.
Wenn du heute als Restaurantbesitzer sagst, du möchtest Kreditkartenzahlung akzeptieren, dann schließt du sowieso einen entsprechenden Vertrag ab. Uns wurde schon mehrfach bestätigt, dass der Vertrag, den Masterpayment bereitstellt, deutlich einfacher ist, als die meisten anderen. Sie kommen aus der Onlineschiene und verfügen über entsprechende Erfahrung. Die Abwicklung ist relativ schnell – nach 10 – 14 Tagen erhält man die Genehmigung von der Bank. Diese muss bestimmte Voraussetzungen, wie Handelsregisterauszug oder Postident Verfahren überprüfen. Wenn der einmalige, bürokratische Aufwand einmal erledigt wurde, erfolgen die regelmäßigen Auszahlungen auf die hinterlegte Kontonummer.
Rein technisch machen wir das so: Der Herr Hoffmeister geht zur sfcc und sagt “ich möchte einen Kaffee für 2.- €.” In dem Moment übermitteln wir diese Info an Masterpayment. Dort wird die Zahlung geprüft und freigegeben. Unsere App erhält die Freigabe und löst die Bestellung über unseren Server aus. Auf diese Art und Weise stellen wir sicher, dass beim Gastronom keine Bestellungen ankommen, die nicht bezahlt sind.
SH: Wenn jetzt ein Gastronom zu euch kommt und sagt er möchte mit euch zusammen arbeiten. Wie lange dauert der Anbindungsprozess?
DR: 10 bis 14 Tage. Wenn er heute unterschreibt, dann macht er den Vertrag mit uns und mit dem Payment Provider. Während die Prüfung für die Kreditkartenakzeptanz läuft, legen wir den Kunden an, bereiten die Speisekarte vor und bestellen die Hardware.
SH: Also bekommt der Kunde von euch den Bondrucker?
DR: Ja, den muss von uns kaufen. Für diese vibrierenden Buzzergeräte haben wir jetzt auch einen Scanner. Dann bekommt der Kunde eine Push Nachricht auf sein Handy. Ein solcher Buzzer kostet ungefähr 70.- €.und pro Laden werden etliche davon benötigt. Aufgrund der zunehmenden Smartphone Dichte lässt sich das mittels Push Nachricht effizienter umsetzen.
Alle Bons von uns haben einen Barcode. Dieser wird vom Scanner erfasst und so dem Kunden per Push mitgeteilt, dass das Essen fertig ist. Dieses Produkt haben wir „Stupser“ getauft, weil wir die Leute ja nett anstupsen als Erinnerung. Bei Dean & David wird das bereits eingesetzt und es funktioniert wunderbar.
Sehen Sie hier das Video: Deine Gäste per Push anstupsen statt „pager“
Das ganze Essensbestellen wurde erheblich vereinfacht. Bisher stellst du dich erst an und orderst dein Essen oder deine Getränke. Dann bekommst du einen Buzzer, setzt dich irgendwo hin und wartest, bis der vibriert. Wenn die Nutzer opentabs erst mal gewohnt sind, bestellen sie schon im Büro und warten auf die Push Meldung. Dann einfach rüber zum Dean & David und den Salat abholen. Das heißt, ich habe viel mehr Entspannung.
Denkst du an das bisherige Prozedere im Vapiano, so steht jeder in einer Schlange und wartet darauf sein Essen bestellen zu können. Du kannst dich nicht mit deinen Freunden unterhalten. Jeder läuft zu unterschiedlichen Zeiten im Restaurant rum, sucht sich einen Tisch oder holt sein Essen. Wir könnten das mit einem Schlag erheblich verbessern. Du setzt dich mit deinen Freunden an einen Tisch. Jeder bestellt über opentabs, was er haben möchte und dann warten wir bis unsere Handys vibrieren.
Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über die Kunden, die ersten Schritte bei San Francisco Coffee Company und die geschäftliche Zukunft von opentabs.